Wort halten – kulturelle Vielfalt in Düsseldorf sichern!

[Langfassung]

Mit mehreren tausend Angeboten erreicht die Freie Kultur mindestens eine halbe Million Menschen im Jahr. Ihre Bandbreite ist riesig: Sie reicht von Workshops, kultureller Bildung für alle Altersgruppen, Kleinkunst, Stadtteilkultur und Poetry Slams über unzählige Ausstellungen aller bildenden Künste, einem vielfältigem, avancierten Theaterprogramm, Tanz und Performance bis hin zu Literaturlesungen, Kabarett, und einem breiten und hochwertigen Live-Musik-Angebot. Mindestens 50 eintägige bis mehrwöchige, ganz kleine bis ganz große Festivals werden jedes Jahr von Akteurinnen der Freien Kultur auf die Beine gestellt. Von  jungen lokalen Künstlerinnen, Bands und Gruppen bis zu renommierten  internationalen Künstlerinnen und Acts, von do-it-yourself bis hochprofessionell – die Freie Kultur has it all!

Damit trägt die Freie Kulturszene einen erheblichen Anteil zur kulturellen Infrastruktur und Attraktivität dieser Stadt bei – und wird nur zum Teil aus kommunalen Mitteln finanziert. Einen größeren Teil muss sie Monat für Monat, Jahr für Jahr aus anderen Quellen akquirieren oder selbst erwirtschaften. Ermöglicht wird dieses reichhaltige Angebot von mehreren hundert Menschen, die in den allermeisten Fällen in Teilzeit oder stundenweise arbeiten oder auf Honorarbasis bezahlt werden – während ein erheblicher Teil der Arbeit nach wie vor sogar unbezahlt bleibt.

Mit einem Höchstmaß an Engagement und Leidenschaft sorgen die Akteur:innen der Freien Kultur für Vielfalt und Lebendigkeit der Düsseldorfer Kulturlandschaft. Ob traditionsreicher Kunstverein oder junge Initiative, große Bühne oder kleines Ladenlokal, Kunstfestival oder Straßenfest, Subkultur oder Hochkultur: Die Freie Kultur Düsseldorfs vereint unterschiedlichste Perspektiven und kulturelle Ausdrucksformen und verbindet damit Menschen über soziale und kulturelle Grenzen hinweg. Sie erzeugt spartenübergreifend Zusammenhalt und Identifikation in und mit der Stadt und erschafft immer wieder Leuchtturmprojekte, die weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus strahlen.
Damit bildet sie ein starkes Netz, das unsere Stadtgesellschaft trägt.

Um ein Angebot in dieser Breite und Qualität zu bezahlbaren Preisen zu ermöglichen, sind wir – die Akteurinnen und Institutionen der Freien Kultur – auf öffentliche Förderung angewiesen. Düsseldorf hat dafür ein ausdifferenziertes Fördersystem entwickelt. So werden Einzelprojekte, mehrjährige Vorhaben, Festivals und Institutionen durch eng aufeinander abgestimmte, sich ergänzende Einzelmaßnahmen gefördert, um ein notwendiges Maß an Sicherheit und eine Basis für die erforderliche Drittmittelakquise zu gewährleisten. Im Haushalt 2026 stehen dafür rund 10 Millionen Förderung zur Verfügung. Zur Einordnung: Das sind gerade einmal ca. 5,7 % des Düsseldorfer Kulturetats.

Mit den im Juli 2025 beschlossenen, dreijährigen Rahmenverträgen mit jährlicher Dynamisierung wurde für viele Institutionen und Akteur*innen der freien Kultur erstmals eine mehrjährige Planungssicherheit geschaffen. Sie sind an Zielvereinbarungen geknüpft, um die Verwendung der Mittel im Sinne des öffentlichen Interesses und die Qualität der geförderten Angebote sicherzustellen. 

Diese Rahmenverträge stellen eine wichtige Anerkennung der Bedeutung der freien Kultur für das öffentliche Leben und die kulturelle Grundversorgung in der Landeshauptstadt dar. Sie sichern notwendige Kontinuitäten, zum Beispiel für Beschäftigungsverhältnisse und andere vertragliche Bindungen. Ihre Bedeutung geht aber weit über die Wirkung des Düsseldorfer Kulturamts hinaus: Die mehrjährige Förderung bietet einen unschätzbaren Vorteil bei der Einwerbung von zusätzlichen Dritt- und Sondermitteln, auf die die freie Kultur neben der städtischen Förderung angewiesen ist.

Der Koalitionsvertrag von CDU und Grünen erkennt das an: “Die freien Künstlerinnen und Künstler, Kulturinitiativen und Kulturbetriebe leisten in ihrer Bandbreite einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Reichtum Düsseldorfs. Wir sind dankbar für ihre innovativen künstlerischen Impulse und vielfachen Perspektiven, mit denen sie auf unsere Stadtgesellschaft blicken. Mit der Einführung der mehrjährigen städtischen Förderung ist es uns gelungen, der freien Szene Planungssicherheit zu geben. Diesen Weg werden wir weitergehen.” (Koalitionsvertrag, Dezember 2025, S. 47)
 
Die Stadtspitze hat nun angekündigt, dass von dem dreistelligen Millionenbetrag, der im Stadthaushalt eingespart werden soll, eine Millionensumme aus dem Kulturetat kommen soll. Das lässt uns mit Sorge auf die nächsten Jahre blicken. 

Wir befürchten, dass mit den Rahmenverträgen ein wichtiger und notwendiger kulturpolitischer Fortschritt zurückgenommen wird, noch bevor er überhaupt Wirkung zeigen konnte – und dass das ohnehin schon überschaubare Fördervolumen für die Freie Kultur stark gekürzt wird. Um einen Betrag, der den Haushalt der Stadt nicht rettet, dessen Fehlen der Freien Kultur aber nachhaltig schadet.

Wird die bereits zugesagte institutionelle Förderung gekürzt, leidet das kulturelle Angebot in Düsseldorf. Es werden nicht nur einzelne Veranstaltungen wegfallen: gewachsene Strukturen werden nachhaltig geschwächt. Werden Projektmittel beschnitten, werden kleinere oder ohnehin schon unterfinanzierte Projekte einfach nicht mehr stattfinden können. Andere müssen ihr Angebot deutlich verkleinern oder/und können es nur zu noch prekäreren Bedingungen aufrechterhalten. Größere Institutionen werden von Kürzungen gleich doppelt getroffen: sie brauchen die städtische Förderung auch, um Mittel aus anderen Förderprogrammen beantragen zu können. Wird von der Stadt gekürzt, fallen auch Förderungen aus Landes- und Bundeshaushalt weg.

Die kommunale Förderung bildet für die allermeisten Akteur:innen und Institutionen die wirtschaftliche Grundfinanzierung und somit eine wichtige Basis, die solide bleiben muss! 
Wir appellieren darum an den Oberbürgermeister und die Politik, ihre Zusage einzuhalten, die Freie Kultur zu stärken! Am Ratsbeschluss vom 10. Juli 2025, mehr als 60 Träger der Freien Kultur über die dreijährigen Rahmenverträge und eine jährliche Dynamisierung der Förderung abzusichern, muss festgehalten werden. Die Projektförderung muss mindestens auf dem jetzigen Niveau bleiben, um bestehende Projekte weiter zu ermöglichen und neue Ideen zu fördern. 

Wenn die Kulturstadt Düsseldorf auch künftig vom Reichtum der Freien Kultur profitieren will, muss sie deren finanzielle Basis weiterhin sichern!

zur Kurzfassung mit Unterzeichnenden